Es fehlt nur noch der Pausenclown

15.06.2015 16:19 | Von: Lukas Kampa

Liebe Fans, noch ein paar weitere „Verbesserungen“ im Regelwerk und Volleyball wird die unattraktivste Sportart der Welt.

Wer unser Spiel gegen die Russen gestern gesehen hat, wird hoffentlich nachvollziehen können, warum es mir schwerfällt, gelassen mit den Geschehnissen umzugehen.

Zunächst möchte ich betonen, dass meine nachfolgenden Ausführungen nichts an der Leistung unseres Gegners schmälern soll: Wir haben gegen eine extrem starke Mannschaft verloren und es gibt keine externen Gründe für die Niederlage.

Es war schon seit Anfang des Jahres zu befürchten, dass die neue „alte“ Netzregel viele spannende, lange und umkämpfte Ballwechsel zerstören würde und das hat in der Tat schon ganz gut funktioniert.

Dass nun aber jeder Wechsel, jede Auszeit und jede Videochallenge per Tablet (!) vom Co-Trainer beantragt werden muss, ist an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten.

Das Resultat sind minutenlange Unterbrechungen, technische Probleme am laufenden Band, genervte Spieler, zur Untätigkeit verbannte Schiedsrichter und zurecht gelangweilte Zuschauer auf den Rängen und an den Bildschirmen.

So kommt es dann, dass eine beim Satzball beantragte Videonachfrage wegen eines Netzfehlers vom Schiedsgericht abgewiesen wird, weil der Satz im elektronischen Spielberichtsbogen bereits geschlossen war. Mündlicher Einspruch ist natürlich nicht gestattet. Dass wir den Satz verlieren und der betreffende Spieler den Netzfehler auf Nachfrage unsererseits sogar eingesteht, lasse ich mal als Randnotiz stehen.

Hilfsmittel wie die Hochgeschwindigkeitskameras sind eine wunderbare Unterstützung für das Schiedsgericht und werden von allen Beteiligten als Bereicherung geschätzt. Es muss aber nicht jeder technisch machbare Firlefanz auf Biegen und Brechen eingebaut werden.

Unser Sport lebt von der Dynamik der Ballwechsel, von einem gewissen Rhythmus und fairen Emotionen.

Für mich und meine Mannschaft gilt es aber ab sofort wieder, den Fokus auf die anstehende Aufgabe gegen die Slowaken zu legen.

Wir werden die guten Elemente des gestrigen Spiels mitnehmen und an unseren Schwächen arbeiten, um die ersten drei Punkte einzufahren.

Dafür schmeiße ich jetzt noch drei Euro ins Phrasenschwein und freue mich auf eure morgige Unterstützung.